Lass mich diesen Schritt alleine gehen…

Heute habe ich von einer Frau gelesen…die einen Krankenbesuch gemacht hat. Ein 14 Jahre altes Mädchen liegt im Krankenhaus. Krebs. Das einzige was bleibt ist jetzt anscheinend die Hoffnung…aber die Hoffnung macht bekanntlich auch unsterblich und sehr mächtig…

Der Kleine Prinz erscheint nach einer langen Reise durch
Welten und Zeiten auf unserem Planeten, in dem Leben eines
Erwachsenen, sanft, aber mächtig, mit seinen Fragen, seinem Staunen
und seiner Art zu sehen und zu lieben.
Der Erwachsene ist sehr beschäftigt mit ernsten Dingen, mit seiner Art, die Welt und
die Wüste zu betrachten. Er lernt den kleinen Prinzen kennen und lieben.

Als das Wasser zur Neige geht, müssen sich beide, der Kleine Prinz und der Erwachsene, auf einen gemeinsamen Weg machen und auf etwas hoffen, was dem Verstand des Erwachsenen unmöglich erscheint, nämlich einen Brunnen in der Wüste zu finden. Es ist der Blick des Kleinen Prinzens, seine Art, mit dem Herzen die Welt zu sehen, der es schließlich ermöglicht, mit Hilfe des Lichtes der Sterne einen Weg zum Brunnen in der Wüste zu erkennen.

Der Blick des kleinen Prinzen zeigt demnach einen Weg an, wie viel Licht im Dunklen und wie viel Wasser in der Wüste wir finden können. Sich diesem Blick zu öffnen, erscheint uns Erwachsenen oft unmöglich, dabei ist es ein Blick, den auch wir einmal kannten, in unserer Kindheit. Wir können ihn wiedergewinnen, wenn wir uns auf den Weg zum Brunnen machen und dabei alle Geschäftigkeit, alle Äußerlichkeit, alle Geschwindigkeit hinter uns lassen. Denn der Kleine Prinz muss auf seinem Weg begleitet werden, auch wenn er die Art zu gehen selbst bestimmen möchte. Das ist seine Hoffnung.

Er wird auf diesem Weg einmal schweigen wollen, dann wieder sich mitteilen wollen, er wird wütend und abweisend sein, um sich direkt danach anlehnen zu wollen. Wir Erwachsenen werden hilflos bleiben und auf dem Weg kaum Schritt halten können, wenn wir in diesen Momenten unseren Verstand, unsere sicheren Meinungen, unsere eindeutigen ernsten Worte, die nicht immer den rechten Ton und den rechten Zeitpunkt treffen, als Wegweiser benutzen wollen. Wir müssen den Mut aufbringen zu versuchen, all dies zurückzustellen und

stattdessen die Wegweiser des Kleinen Prinzen zu erkennen. Er wird sie dort suchen, wo er sich zwar mitteilen, aber auch immer wieder in einen geschützten Bereich zurückziehen kann: im Reich seiner Phantasien, das nicht den Grenzen der Realität unterworfen ist, in dem all seine Regungen, Gedanken, Ängste und Wünsche einen Platz haben. Denn die Sterne, die den Weg von uns und dem Kleinen Prinz beleuchten, sie lachen am herzlichsten im Reich unser aller Phantasien, unserer Träume und sinnlichen Erfahrungen.

Wenn wir uns ernsthaft, im besten Sinne, damit beschäftigen, wenn wir uns bemühen, ganz da zu sein, um im Spiel, beim Erzählen, beim gemeinsamen Träumen, Musik hören oder Malen den Kleinen Prinz zu begleiten, werden wir viel von seinem inneren Reichtum erfahren und ihm gleichzeitig Mut und Vertrauen für seinen Weg geben können. Allein unsere Sinne können unendlich viel Kraft geben, um Ruhe und Aufgehobensein zu erleben:

Miteinander Farben sehen, Töne hören, Geliebtes riechen und schmecken, Natur, und sei es ein Blatt in der Hand, spüren, das alles ist ein Dialog, der mehr fasst, als Worte sagen können.
So können wir Erwachsenen den Kleinen Prinzen zum Brunnen in der Wüste begleiten, in der Zeit und der Art, wie es für ihn richtig ist, und ihm die Möglichkeit geben, seinen Weg weiter zu gehen und seine Worte zu sprechen.

Das ist es. Lass mich diesen Schritt alleine gehen

Darüber sollten wir heut mal nachdenken…

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Gedanken zum Tag

Eine Antwort zu “Lass mich diesen Schritt alleine gehen…

  1. Nanny

    Eine sehr schöne Geschichte. Diese macht sehr nachdenklich. Eventuell sollten wir uns mal wieder auf das berufen was wir sind. Und nicht auf das was wir sein wollen…

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