Single und Partnerschaft – Buch: Timmerbergs Single-ABC

Singles haben es nicht leicht, Paare auch nicht. Der Autor Helge Timmerberg kennt ihre Probleme und hat sie nach Schlagworten sortiert. Auch neu und nett! Statt Briefmarkensammlung zeigen – lesen wir mal im Lexikon. Wer es probiert hat, darf einen Kommentar hinterlassen. Vielen Dank.

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Eine kurze Leseprobe:

A – wie Aus (aus Timmerbergs Beziehungs-ABC)

Nur wer fähig ist, eine Beziehung zu beenden, sollte auch eine eingehen. Denn die Zeiten, in denen man kurz mal Zigaretten holen gehen konnte, um nie wieder zurückzukommen, sind eigentlich vorbei. Oder rauchen Sie noch? Scherz muss sein, Schmerz auch, manchmal. Wenn zusammengekommen ist, was nicht zusammengehört und die Jahre es trotzdem zusammengeschweißt haben, mit Gefühlen, Verträgen, Versprechungen, Schwüren, dann tut es weh, damit Schluss zu machen. Und was ist jetzt nicht feige? Die Art, wie es die alttürkischen Nomaden sagten? „Dein Gesicht ist mir wie Dein Rücken.“ Das genügte, und die Ehe war dahin. Was sagen wir in diesem Fall?
„Schatz, ich brauch jetzt mal ein bisschen Zeit für mich.“
„Kein Problem. Wie lange denn?“
„Na, so 30 bis 40 Jahre.“

Warum kann ich eigentlich bei diesem Thema nicht ernst bleiben? Obwohl es doch ein ernstes Thema ist? Antwort: Es ist zu ernst. Und eigentlich unlösbar. Manchmal muss man für sein Glück einen Anderen unglücklich machen, und manchmal zerstört dessen Unglück auch unser Glück. Besser wäre es, wenn beide glücklich auseinandergehen, aber besser wäre es auch, wenn die Wälder nicht stürben und alle Menschen Millionäre wären.

Das Leben ist hart, die Liebe ist launisch, und Trennen macht keinen Spaß. Einfacher wird es, wenn man glaubhaft versichern kann, über Nacht schwul geworden zu sein, oder lesbisch, weil das den Stolz des Verlassenen nicht verletzt. Er oder sie ist weiterhin der oder die Schärfste seiner oder ihrer Art, nur steht man halt auf die ganze Art nicht mehr.

Das hat was von Künstlerpech. Das geht. Aber worum geht es wirklich? Dass wir anderen nicht weh tun wollen oder darum, dass man den Schmerz des Anderen nicht sehen will (Thema: Tränen), also Telefon. Aber Tränen kann man auch hören. Also SMS. Ich würde sagen, der gute alte Brief macht da den besseren Job. Aber ich schwöre, ich kenne Menschen, die schaffen nicht mal das, weil sie sich beim Schreiben das Gesicht von dem vorstellen, der es lesen muss. Darum kommen sie entweder nie auf den Punkt oder schicken den Brief nie ab. Mail wäre eine Alternative, denn Mails sind schneller weg, manchmal auch aus Versehen, aber eine Trennung per Internet hat etwas von einer Trennung per SMS.

Zu guter Letzt: Trennungs-Agenturen. Es gibt sie wirklich. Die schreiben IHREN Brief an Ihrer Stelle. Die rufen an Ihrer Stelle an. Die gehen an Ihrer Stelle hin. „Guten Tag, ich komme von der Agentur „Hasta la Vista, Baby“, und, äh, es geht um Folgendes …“. Das ist zwar auch nicht weniger beleidigend als eine Trennung per SMS, aber Hauptsache ist: Sie haben es getan. Oder könnten es tun. Denn nur, solange eine Beziehung freiwillig ist, nimmt man in Kauf, was sie so alles mit sich bringt, von A bis Z.

E – wie Ehrlich (aus Timmerbergs Single-ABC)

In Japan sieht man das so: Jeder Mensch hat drei Gesichter. Eines für die Öffentlichkeit, eines für den Partner und dann hat man noch eines, das man am besten nur sich selber zeigt. Gesicht 1 und 2 haben im Wesentlichen mit Lügen und Halbwahrheiten zu tun. Das geht leider nicht anders. Aber man kann es anders nennen. Im Dschungel unserer beruflichen Ambitionen ist pokern das richtige Wort für lügen, in der Liebe nennt man es Beziehungsmanagement. Also lügen für einen guten Zweck.

In der Politik heißt die Lüge Diplomatie, und das Ende der Lügen heißt Krieg, und obwohl es so viele gute Gründe gibt, zu lügen und zu betrügen und zu verschweigen und die Wahrheit zu biegen: Wirklich entspannen kann ich mich dabei nicht. Lügen verlangt Kreativität, und Kreativität verbrennt Energie. Auch vom Lügen brauche ich einen Feierabend. Ein Zuhause für das 3. Gesicht. Eine hemmungslose Bühne für die Ehrlichkeit, egal, ob dabei die Asche auf den Teppich fällt oder nicht. Glücklicher Single. Niemand fragt dich, wer du bist und was du denkst. Niemand klopft deine Gefühle ab. Niemand provoziert Lügen im Bett. Man schläft ein Stückchen schuldloser ein, wenn man alleine ist. Und wacht schuldloser wieder auf. Ein lügenfreies Frühstück, ein ehrlicher Kaffee. Ich bin Single, weil ich wahrheitsliebend bin.

Wahr ist aber ebenso, dass man sich selbst auch ganz schön in die Tasche lügen kann. Und wenn niemand da ist, der unsere kleinen Selbstbetrügereien korrigiert, wachsen sie sich dann und wann zu Lebenslügen aus. Und schon hat man Monster im Haus. Zum Beispiel Blockaden. Der Single neigt dazu, sie zu akzeptieren. Blockaden gegen das Staubwischen, Blockaden gegen das 2. Zähneputzen (am Abend), auch der Weg zum Supermarkt scheint manchmal gefühlsmäßig blockiert. Klar, was dann passiert. Dann sehen unsere Regale irgendwann so aus wie das Hochplateau von Aserbaidschan (sehr staubige Gegend), die Zähne wackeln, und im Kühlschrank ist kein Joghurt.

Was ich daraus lerne? Yin und Yang stimmt. Jede Lebenssituation hat Vor- und Nachteile. Zu gleichen Teilen. Der Single verstrickt sich nicht in Beziehungslügen, aber er ist prädestiniert für den Selbstbetrug.


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