Klostermedizin – Gesundheit für Leib und Seele

Klostermedizin ist „in“ – und das mit gutem Grund. Denn Mönche und Nonnen haben sich seit Jahrhunderten damit beschäftigt, dass es Menschen wirklich gut geht. Damit meinten sie nicht nur ein Gutgehen im materiellen, sondern vor allem ein Gutgehen im geistigen und spirituellen Sinn. Sie wollten „Wellness“ für Leib und Seele. Sicherlich gab es auch im Lauf der Geschichte Übertreibungen, die entweder zu „Leibfeindlichkeit“ oder „Seelenfeindlichkeit“ führten.
St. Benedikt, der Vater der Mönche, wollte aber nie eine Einseitigkeit, sondern war von der Beziehung von Leib und Seele tief überzeugt. Alle Blüten, die gegenwärtig der Wellnessboom treibt, scheinen dagegen mehr und mehr zu einem Materiellen immer mehr, besser, größer, schöner zu verkommen. Dass die wesentliche Haltung des Wohlbefindens eine spirituelle, geistige Grundlage hat, wird zum Teil nur geahnt, meistens ganz vergessen.

Ursprung des Wohlbefindens.
In einer Zeit höchst entwickelter Medizin und Technik, in der das Wohlbefinden fast nur unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten gesehen wird, ist es gut, sich zurück zu besinnen auf den Ursprung des Wohlbefindens.
Menschen haben im zunehmenden Maß ein tiefes inneres Bedürfnis nach durchschaubaren, sanften Wegen zum Heilwerden. Über Jahrhunderte hinweg wurde von Mönchen und Nonnen in den Klöstern ein Wissen gelernt und weitergegeben, das sich nicht nur auf das Anlegen von Kräutergärten oder das Mixen von Tinkturen und Kräuterlikören beschränkte, sondern das darauf zielte, dass es dem Menschen in seiner Ganzheit an Leib und Seele, mit seiner Geschichte, mit seiner Vergangenheit und Gegenwart, in seinen Beziehungen und in seiner Entwicklung wirklich gut geht.

Heilung, die aus der Seele kommt.
Wenn man Klostermedizin nur auf den Anbau und die Anwendung von heilenden Kräutern reduzieren würde, wären die Anliegen von vielen Generationen von Mönchen nicht verstanden. Die herrlichen Kräutergärten, die von Klöstern angelegt wurden, waren nicht nur Produktionsstätten für Heilkräuter, gewissermaßen Vorläufer heutiger pharmazeutischer Fabriken. Sicherlich: Die Mönche und Nonnen haben aus dem Erfahrungswissen der Menschheit, aus der Antike, vor allem auch aus Indien und den arabischen Ländern und aus ihrer eigenen Naturbeobachtung Pflanzen und deren Heilweisen erkannt und sorgfältig weiter entwickelt. Das war der Anfang der Naturheilkunde. Sie wussten aber auch, dass der Mensch sich nur dann wohl fühlt, wenn er in Beziehung zur Schöpfung und zu seinem Schöpfer steht. Wenn eine Störung des Wohlbefindens eintritt und sich im Extremfall als Krankheit materialisiert, ist eine Heilung durch klassische Medizin und Behandlung, oder auch durch alternative Medizin vordergründig vielleicht möglich. Doch der Mensch braucht Heilung in seinem Inneren, aus seiner Seele und aus seinem Herzen heraus.
Wesentlich bei der Klosterheilkunde ist, dass der Mensch in Beziehung zu sich selber, zu anderen, zur Schöpfung und zum Kosmos gesehen wird. Dies schließt natürlich auch seine Beziehung zu einer transzendenten Wirklichkeit, die wir Gott nennen, mit ein.

Das rechte Maß.
In diesem Sinne möchte die Klostermedizin zu einer vernünftigen Lebensgestaltung anregen, deren Herzstück immer das rechte Maß ist. Dazu gehört natürlich auch der richtige Lebensrhythmus, eine ausgewogene Ernährung (auch mit Zeiten des Fastens), ein gesunder Wechsel von Schlafen und Wachsein, von Ruhe und Bewegung, von Spannung und Entspannung, von Arbeit und Pause. Eine solche Lebensweise wirkt nicht nur vorbeugend gegenüber Krankheiten, sondern sie pflegt und stärkt die Selbstheilungskräfte und führt zu einem Wohlbefinden des Menschen.
Ein wesentlicher Grund für physische und psychische Krankheiten in der Gegenwart ist, dass Menschen in sich selbst nicht mehr ruhen können, dass sie keine Wurzeln haben, dass ihnen die Beziehung zu ihrem eigenen Leben, zu Empfindungen des Leibes und der Seele verloren gegangen ist. Von allen so genannten oft lebensbedrohlichen „Zivilisationskrankheiten“ wie Herz-Kreislauf-Leiden, Diabetes, Ernährungsstörungen, Allergien, Bluthochdruck, aber auch von Krebs und Demenz im Alter wissen wir, dass sie nicht nur physiologische und psychische Ursachen haben, sondern dass ein wesentlicher Grund für die Erkrankung das verloren gegangene Vertrauen und die Beziehungslosigkeit des Menschen zu sich, zu anderen und zu Gott ist.

Verlust des Vertrauens.
Das verlorene Vertrauen, das sich in existenzieller Unsicherheit, in dauerhaftem physischen und psychischen Stress zeigt, lässt den Menschen nicht zur Ruhe kommen,; weder in seiner Arbeit, noch mit seinen Terminen, noch mit seiner Leistung. Derjenige, der dauernd in Unsicherheit lebt, hat den Urrhythmus des Lebens verloren, fühlt sich nicht wohl und wird meistens auch krank. Schuldzuweisungen an andere, die mit der Verleugnung der Verantwortung für das eigene Leben einhergehen, lassen den Menschen in einen Teufelskreis verfallen und nicht mehr zu sich selber finden. Oberflächliche, geistlose „Wellnesskuren“ können dieses Defizit sicher nicht ausgleichen.
Klostermedizin will den Menschen helfen, Maßstäbe, Wertorientierung und Rhythmus im eigenen Leben zu gewinnen.

Spiritualität des Wohlbefindens.
Die Tradition des Heilwissens, die wir heute Klostermedizin nennen, ist in vielen Klöstern, vor allem in der Tradition der Benediktiner, weitergegeben worden. Die Regel des hl. Benedikt gibt aber keine direkten medizinischen Anweisungen, sondern sie ist im Wesentlichen Anleitung zu einer Spiritualität des Wohlbefindens. Die Anleitungen dieser Regel finden sich in der Feststellung: „Wenn du ein gutes Leben haben willst, dann halte dich an die in dieser Regel vorgestellten Lebensgrundsätze.“ Es geht bei der Konzeption des Heilwerdens darum, dass der Mensch Selbstkompetenz für seine eigene Leib-Seele-Einheit wieder gewinnt. Die Trennung von Leib, Seele und Geist, die wir allenthalben erleben, nicht nur in der Medizin, sondern in einem vermaterialisierten Wellnesskult, fördert kein Einswerden des Menschen mit sich selbst, sondern führt eher zu einer Spaltung.
Alte Klostermedizin scheint deshalb so sehr in Mode zu kommen, weil sie einen einfachen und durchschaubaren Weg mit sehr plausiblen Hilfsmitteln anbietet, der spirituelle Grundlagen hat.

Gelassenheit aus dem Glauben.
Ohne die Entfaltung der spirituellen Kräfte im Menschen ist auf Dauer kein Wohlbefinden möglich. Zu diesen Grundsätzen gehören nicht nur die Ehrfurcht vor dem Leben des Einzelnen und einer Gemeinschaft, sondern auch eine gesunde Lebensordnung, heilende Rhythmen und Beziehung zur Schöpfung. Sie motivieren zu einer Gelassenheit aus dem Glauben und zum Leben aus der Kraft ethischer Grundsätze. Sie führen Menschen von unheilvollen Extremhaltungen hin zu einer heilsamen Mitte, aus der Dynamik zur leib-seelischen Balance und zum Wohlbefinden. Es ist deshalb wichtig, dass wir die vielen Wege der Heilungen im Alltag als eine Alltags-Wellness wieder neu entdecken. Jedes Wort und jeder Gedanke können heilkräftig sein, ebenso wie Musik und Klänge, wie Bilder und gut gestaltete Räume, in denen ich mich wohl fühle.

Wohlbefinden als ganzheitliche Erfahrung des Heiles.
Klostermedizin motiviert Menschen dazu, in der Alltäglichkeit ihres Lebens Wellness zu erfahren, die mit sparsamsten Mitteln alle Ressourcen des Lebens aktiviert und schenkt, sodass sie hinführt zu einer ganzheitlichen Erfahrung des Heiles, das ja nichts anderes ist als Wohlbefinden. Die Sehnsucht nach „Wellness“ ist wahrscheinlich als eine große Sehnsucht nach dem inneren und äußeren Heilwerden zu deuten.
Dies ist aber nur möglich, wenn ich auch weiß, was Schmerz bedeutet und wie er verwandelt werden kann, dass ich die Chancen annehme, die in Krisen liegen und Verlust und Tod nicht als Ende ansehe, sondern als Tor zum Leben.
Vielleicht genügt es schon, jeden Tag sich selbst und anderen ein gutes Wort zu geben, oder einen anderen zu segnen. Das wäre wahrscheinlich ein Grundbaustein für Wohlbefinden an jedem Tag und für das ganze Leben.

Fazit: Fassen Sie Mut – gehen Sie einmal in ein Kloster. Auch wenn es nur wenige Tage sind. Es wird Ihr Leben bereichern und bestimmt verändern.

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Klostermedizin – Gesundheit für Leib und Seele

  1. 1leben

    Es muss kein Kloster sein, aber die Art, wie man leben sollte.. das spricht mir aus der Seele..

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