Rotes Weinlaub – ein jahrtausendealtes Heilmittel feiert Renaissance

Dass Rotweingenuss in Maßen zur Gesunderhaltung beitragen kann, ist kein Geheimnis mehr. Anders sieht es mit der Verwendung der Blätter des Rebstocks aus. Dabei hat rotes Weinlaub eine Tradition, die bis in die Antike zurückreicht. „Heute werden Extrakte aus rotem Weinlaub als Phytopharmaka insbesondere bei chronischen Venenerkrankungen eingesetzt“, erläutert Ernst Schneider in der neuesten Ausgabe der „Zeitschrift für Phytotherapie“ (Hippokrates Verlag, Stuttgart. 2007).

Schon Plinius Secundus, den man auch den ‚Brockhaus des klassischen Altertums‘ nannte, habe in einem seiner Werke über die heilenden Wirkungen der Weinblätter berichtet, so der Autor. Die Blätter des Weinstocks wirkten demnach bei Kopfweh, gegen Entzündungen, bei brennendem Schmerz im Magen, bei Gelenkerkrankungen und gegen Blutfluss aus Wunden. „Angesichts der seit der Antike belegten Verwendung von Weinlaub bei Anwendungen, die mit Blutungen, Wunden, Entzündungen, Hämorrhoiden und dem Gefäßsystem zu tun haben, könnte man im Sinne der Signaturenlehre an die Analogie ‚rotes Blut – rotes Weinlaub‘ denken“, stellt Schneider fest.

Wiederentdeckt wurde die Heilkraft der roten Weinblätter in Frankreich. Winzer kultivierten dort zum ersten Mal Rebsorten, deren Trauben und Blätter eine derart intensive Rotfärbung aufwiesen, dass sie zur Deckung von farbschwachen Rotweinen eingesetzt werden konnten. In der Provence und im Süden Korsikas wurden die roten Weinblätter der neuen Deckweinsorten dann traditionell bei Veneninsuffizienz, Krampfadern, Hämorrhoiden und als Blutreinigungsmittel verwendet. Henri Leclerc, einer der Begründer der modernen Phytotherapie, habe bereits 1942 einen Tee aus roten Weinblättern als Heilmittel bei Beschwerden in der Menopause eingesetzt, fasst Schneider seinen historischen Abriss zusammen.

In der deutschen Pharmaziegeschichte ist Schneider erst 1960 innerhalb einer Studie zu Venenerkrankungen auf Extrakte von rotem Weinlaub gestoßen. Elf Jahre später sei das Präparat dann als Arzneimittel auf dem Markt zugelassen worden. Verantwortlich für die Wirksamkeit des Weinlaubextraktes sei der Gehalt an Flavonoiden. Diese Stoffe führten, so der Experte für Phytotherapie, zu einer Stabilisierung der Blutgefäße.

„Neuere klinische Studien belegen die Wirksamkeit von rotem Weinlaubextrakt beispielsweise zur Reduktion von Durchblutungsstörungen bei chronisch-venöser Insuffizienz (CVI)“, ergänzt Schneider. In einer Anwendungsbeobachtung berichteten zum Beispiel Patienten mit CVI, dass sich die typischen Symptome wie müde, schwere Beine, Spannungsgefühle sowie Kribbeln und Schmerzen in den Beinen verringert hätten.

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