Rettet Weihnachten! – von Karl Kardinal Lehmann

Auch wenn viele Menschen in unserem Land nicht mehr aus dem christlichen Glauben heraus leben und in diesem Sinne das, was wir oft Säkularisierung nennen, sich in Herz und Sinn festsetzt, so behält wenigstens Weihnachten für die allermeisten einen Sinn. Ja, man hat manchmal den Eindruck, das Weihnachtsfest wird dann geradezu übersteigert, wenn und weil es für viele das einzige, wenigstens ihnen einigermaßen vertrautere Fest geblieben ist.

Die Werbung weiß natürlich darum. Mit Weihnachten kann sie immer noch sehr viele Menschen ansprechen. Dabei geschieht dies natürlich nur, um bestimmte Instinkte und Triebe des Kaufens anzusprechen. Die Wahrheit von Weihnachten wird nur in einer ganz bestimmten Richtung ausgenützt. Es geht um den Konsum.

Man hat den Eindruck, dass diese Verzweckung des Weihnachtsfestes immer noch weiter vorangetrieben werden kann. Man kennt hier kaum mehr noch Grenzen. Aus dem Adventskalender für Kinder blicken einem, wenn man die Türen und Fenster aufmacht, statt Engel Politikergesichter an. Schon im November werden nicht nur Advents-, sondern Weihnachtslieder gesungen. Die Botschaft des Evangeliums wird ja auch sonst schamlos ausgenützt, wenn z.B. eine Reklame für Mineralwasser mit dem abgekürzten Evangeliumswort „Nicht von dieser Welt“ arbeitet.

Weihnachten ist gewiss das am meisten missbrauchte, verweltlichte und entleerte christliche Fest. Weihnachten fällt für viele mit einem großen Jahrmarkt der Geschäftemacherei zusammen, wo eine konsumorientierte Welt den Höhepunkt des Jahres feiert. Sonst scheint Weihnachten eben noch eine Sache des wohlfeil-frommen-Gefühls zu sein, wo nicht selten eine vage wehmütige Kindheitserinnerung aufkommt, Rückkehrstimmung in eine meist versunkene, ferne und verlorene Heimat.

So ist es kein Wunder, dass viele dieses Geschäft und diese Gefühlsduselei auf die Nerven gehen. Sie haben den Eindruck, Weihnachten soll für einen Augenblick die brutale Wirklichkeit unserer Welt zudecken. Ist Weihnachten nicht ein zutiefst verlogenes Fest, das die Menschen nur deshalb brauchen, weil sie wenigstens für eine kurze Weile sich gerne betrügen lassen wollen über das, was ist?

Was kann man dagegen tun? Es gibt gewiss keine einfachen Rezepte oder schlichte Allheilmittel. Aber wenigstens Einzelne und besonders Familien können schon gegen den Strom schwimmen. Die Kirche hilft uns dabei durch das Kirchenjahr und viele Bräuche. Zuerst sollte man im Advent das Warten lernen. Man nimmt sich die Vorfreude, von der manche sagen, sie wäre die wahre Freude, wenn man schon zu Beginn des Advents oder gar noch früher das tut, was seinen Platz erst an Weihnachten hat. Dies gilt nicht nur für Kinder. Wir müssen uns gerade auf solche Feste vorbereiten. Es gibt vom Martinsfest über Nikolaus bis zum Adventssingen viele Gelegenheiten. Die Pfarreien, die Kindergärten und häufig auch die Schulen, Vereine und Verbände laden zu Besinnung ein. Man muss nicht alles mitmachen. Man findet immer auch Bundesgenossen, die ähnlich denken.

Die christlichen Feste sind geduldig und widerstandsfest. Sie lassen sich am Ende nicht so leicht aushöhlen. Ihr Geheimnis ist tief. Dies haben viele Jahrhunderte schon erwiesen. Und sie sind auch gnädig. Sie lassen jederzeit noch eine Umkehr zu und laden uns dazu ein. Es ist nie zu spät.

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Zum Bistum Mainz geht es hier.

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