Wie man erfolgreich Vokabeln lernt

Tests stärken das Langzeitgedächtnis besser als gezieltes Lernen

Vokabeln werden im Langzeitgedächtnis durch wiederholtes Abfragen besser gespeichert als durch Auswendiglernen. Das stellten die US-Forscher Jeffrey Karpicke und Henry Roediger bei einer Studie mit vierzig Studenten fest, die je vierzig Suaheli-englische Wortpaare lernen mussten. Die Fähigkeit zur Wiedergabe der Wörter war in einem späteren Test bei denjenigen Probanden am größten, die die Wörter einmal gelernt hatten und dann wiederholt abgefragt wurden. Mehrmaliges Lernen der Vokabelliste ohne Tests zeigte hingegen deutlich schlechtere Ergebnisse.

Karpicke und Roediger wollten in ihrer Untersuchung vor allem feststellen, ob das Gedächtnis Daten eher durch mehrmalige Einprägung oder durch wiederholten Abruf behält. Dazu teilten sie die Testpersonen nach dem ersten Lernen der vierzig Suaheliwörter in vier Gruppen auf: Die Mitglieder der ersten Gruppe lernten über den gesamten Zeitraum der Untersuchung die Wortliste und wurden auch regelmäßig abgefragt. Im zweiten Fall wurde ein einmal korrekt wiedergegebenes Wort von der zu lernenden Liste gestrichen, in den Tests aber immer noch abgefragt.

In der dritten Gruppe war das Gegenteil der Fall: Hier wurden alle richtig aufgesagten Vokabeln aus den Tests, nicht aber von der Liste gestrichen. Die vierte Gruppe sollte schließlich die normalen Schulbedingungen widerspiegeln, in denen einmal korrekt vorgetragene Wörter nicht weiter gelernt oder getestet werden. Nach dieser ersten Phase warteten die Forscher eine Woche und fragten dann in einem letzten Test die gesamte Liste nochmals ab.

Das Ergebnis erstaunte die Psychologen: Gruppen drei und vier, die über den Versuchzeitraum konstant gelernt hatten, erinnerten sich an durchschnittlich 33 bis 36 Prozent, wobei die Teilnehmer der „Schulbedingungsgruppe“ am schlechtesten abschnitten. Die Probanden, die wiederholt Tests abgelegt hatten, konnten dagegen meist 80 Prozent der Wörter oder mehr korrekt wiedergeben. Dabei schnitten diejenigen, die nur abgefragt wurden, ohne die Wörter nochmals zu lernen, ebenso gut ab wie die weiterhin Lernenden.

Karpicke und Roediger schließen daraus, dass der Test von Gelerntem bei weitem nicht nur ein Maß für erfolgreiches Lernen, sondern selbst die beste Lernmethode ist. Um einmal Gelerntes erfolgreich im Langzeitgedächtnis zu verankern, folgern die Psychologen, ist der mehrfache Abruf viel wichtiger als das Einprägen der Daten. Auf diese Weise könne das langfristige Erinnerungsvermögen um 150 Prozent gesteigert werden.

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