Archiv der Kategorie: Menschen

GERMAN-TIBETAN WOMAN – Padma-Dolma Fielitz – AND FOUR SUPPORTERS PROTEST AT TIANANMEN

Beijing – Five Tibet activists, including a Tibetan woman from Germany, Padma-Dolma Fielitz, 21, staged a protest today at 3:10pm Beijing time just outside the southern entrance of Tiananmen Square.

Padma-Dolma Fielitz and another activist held the Tibetan national flag aloft. As Chinese security officials tried to wrest the flags away, Padma was seen being dragged across the ground. Shortly after, three other activists attempted to unveil a large banner before being removed by Chinese security officials. The banner read: “Tibetans are dying for freedom.” The protest lasted approximately five minutes. All five protesters were detained by the Chinese authorities and their present whereabouts and status are unknown.

The other four activists included two Americans, John Hocevar, 40, of Austin, Texas, and Adam Zenko, 35, of San Francisco, California and two Canadians, Maude Côté, 28, of Quebec, and Steven Erich Andersen, 28, of Alberta. Hocevar is the founding director of Students for a Free Tibet and has been in Beijing since August 4th writing, blogging and providing commentary and analysis to journalists on the Tibet issue (1). Côté is a board member of Students for a Free Tibet Canada.

Before the action, Padma-Dolma said, “There are no words to describe the terrible suffering of my people at this moment – the Chinese government is relentlessly crushing the Tibetan people when they desire nothing more than the restoration of their basic rights and freedom. Tibetans are being killed, silenced and marginalized, our precious religion strangled, as the Chinese government attempts to extinguish all trace of Tibetan identity. I am protesting today to tell the world that, while it stares mesmerized at China’s Olympic Games, my people are being crushed under the boot of Chinese oppression.”

Today’s protest is the first to have included a Tibetan since the Beijing Games began. Fearful of protests, the Chinese government has made it a priority to clear Tibetans out of Beijing in the run up to the Games and have blocked Tibetans living in exile from traveling to China.

At 11:40 am, five Canadian Tibet activists confirmed by phone that they were being detained at their hotel in the Chao-Yang District and questioned in the basement. They have not been heard from since. They are Jasmine Freed, 27; Paul Christopher Baker, 29;

Padma-Dolma Fielitz made this statement as she was being detained:

“Free Tibet! Free Tibet!
People are asking, what’s going on
They know exactly what’s going on
They kidnapped Tibet
They kidnappd truth
They kidnapped the Beijing Olympics to demonstrate their power in front of everyone
They say they don’t want to politicize them
but they do
and they’re trying to keep them locked up
This is my land
This affects my people
and we’re not Chinese”

More Information here:

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Dalai Lama, Gedanken zum Tag, Gesundheit, Menschen, Veranstaltungen, Wirtschaft

Anstieg psychischer Probleme in der Arbeitswelt

Deutschland verfehlt Ziele der WHO zur Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz

Deutschland erreicht die von der Weltgesundheitsorganisation gesteckten Ziele zur Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz nicht. Dies geht aus dem Bericht des Berufsverbandes Deutscher Psychologen (BDP) 2008 zur psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz hervor. Während die Zahl der Arbeitsunfälle zurückgeht, nimmt die der psychischen und Verhaltensstörungen drastisch zu. Ihr Anteil an den Ausfalltagen ist von 6,6% auf 10,5% angewachsen. Es wird geschätzt, dass allein die depressiven Verstimmungen bereits 2020 nach den Herzerkrankungen an zweiter Stelle stehen werden. Dieser Anstieg ist zu hoch, um sich aus der größeren Bereitschaft und Fähigkeit, eine psychische Störung als solche zu diagnostizieren, zu erklären.

Ursachen liegen dem BDP-Bericht zufolge in Zeitdruck, Komplexität der Arbeit und Verantwortung der Beschäftigten, fehlenden Partizipationsmöglichkeiten, prekären Arbeitsverhältnissen wie Leiharbeit und Zeitarbeit, mangelnder Wertschätzung, defizitärem Führungsverhalten sowie einem Ungleichgewicht zwischen beruflicher Verausgabung und erhaltener Entlohnung. „Wir haben in Deutschland nicht nur ein Problem mit Managergehältern, wir haben einen weit verbreiteten Mangel an Managerqualitäten“, so BDP-Vizepräsidentin Thordis Bethlehem, der sich auch in psychischen Problemen von Beschäftigten niederschlägt.

Nicht nur Arbeitslosigkeit, sondern auch die permanente Sorge um den Arbeitsplatz, so geht aus dem Bericht hervor, ist mit erheblichen psychischen Belastungen verbunden. Arbeitsüberlastung, hoher Erfolgsdruck und Mangel an sozialer Anerkennung führen unter denen, die permanent um ihren Job fürchten, zu ausgeprägten sozialen Spannungen und chronischem Stress. Arbeitslose, so zeigte sich bei Untersuchungen, haben ein hohes Maß an somatoformen Beschwerden und eine besonders niedrige Lebensqualität. Etwas geringer sind diese Beschwerden bei Berufstätigen, die sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen, während Berufstätige in einem sicheren Arbeitsverhältnis weniger betroffen sind

Kosteneinsparungen in Unternehmen und die daraus zum Teil erwachsende stärkere Arbeitsbelastung führen aber nicht nur zu einer höheren Zahl von Krankentagen aus psychischen Gründen, sondern verändern das Arbeitsklima: Intrigen und Mobbing nehmen zu. Auch die berufsbedingte Trennung von Partnern, die mit der gesellschaftlich geforderten Flexibilität von Arbeitnehmern häufig einhergeht, führt zu psychischen Belastungen, insbesondere bei Frauen, die mit Berufstätigkeit und Familienarbeit stärker gefordert bis überfordert sind.

Der Bericht widmet einzelnen Berufsgruppen mit besonderen Belastungen spezielle Aufmerksamkeit. Dazu gehören Ärzte, Lehrer und Lokführer. Mindestens 20 Prozent der Ärzte, heißt es im Bericht, leiden an einem Burnout-Syndrom, einer individuellen Reaktion auf berufliche Überforderung bzw. ungünstige Stressbewältigung, rund 10 Prozent an einer substanzbezogenen Störung; die Suizidraten sind bei Medizinern bis zu 3-fach erhöht, bei Medizinerinnen bis zu 5-fach. Die Risikofaktoren für Lehrer liegen laut BDP-Bericht vor allem in der fehlenden Balance von Wollen, Sollen und Können. Die nach wie vor hohe Zahl von Frühpensionierungen (24%), insbesondere an Grund- und Hauptschulen, ist alarmierend.

Entschieden fordert der BDP ein nachhaltiges betriebliches Gesundheitsmanagement, geeignete Methoden bei der Personal- und Organisationsentwicklung und Präventionsprogramme, wie sie z.B. die Deutsche Bahn wegen des Traumatisierungsrisikos für Lokführer etabliert hat. Neue Arbeitsbedingungen, so heißt es, verlangen neue Fähigkeiten, z.B. die, widerstandsfähig gegenüber äußeren Belastungen und Krisensituationen zu sein. Resilienz lautet das Zauberwort für eine Eigenschaft, die laut BDP bis zu einem gewissen Grad trainierbar ist. In den am Schluss des Berichts formulierten Empfehlungen für Politik und Wirtschaft fordert der Verband dazu auf, die bereits existierenden gesetzlichen Regelungen in Verwaltung und Wirtschaft endlich umzusetzen statt über steigende Gesundheitskosten zu lamentieren.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Gesundheit, Menschen, Wirtschaft

Zur Erinnerung: Die Zerstörung des Serthar Instituts durch die Chinesen

Ab August 2001 wurde von chinesischen Arbeitsbrigaden eine führenden Zentrum buddhistischer Wissenschaft und Praxis auf der tibetischen Hochebene zerstört. In den 21 Jahren seines Bestehens hatte sich das Serthar Institut [vor Ort bekannt unter dem Namen Larung Gar] von einer einsamen Bergeinsiedelei zu einer spirituellen Oase für mehr als 8.000 Mönche, Nonnen und Laienschüler entwickelt.

Khenpo Jigme Phuntsok gründete im Jahr 1980 das Serthar Institut im Larung Tal bei der Stadt Serthar, Präfektur Karze, Provinz Sichuan, um dem dringenden Bedarf an Erneuerung der Meditation und des Studiums in ganz Tibet nachzukommen. Die Zerstörungen der Kulturrevolution in den Jahren 1966 – 77 hatte ein riesiges Defizit auf diesem Gebiet hinterlassen. Diese Kücke sollte durch Serthar wenigstes teilweise geschlossen werden. Serthar war nicht an eine bestimmte Schule des tibetischen Buddhismus gebunden. Die Akademie zog fast 1.000 chinesische Praktizierende vom Festland und aus Übersee als Schüler an. Diese Studierenden gehörten dann zur ersten Gruppe, die im Juni und Juli 2001 ausgewiesen und in ihre Heimatorte abgeschoben wurde.

Von den Chinesen eingesetzte „Arbeitsteams“ zielten als nächstes auf die über 4.000 tibetischen Nonnen ab, die das Serthar angegliederte Nonnenkloster bewohnten. Die offizielle Anweisung aus Beijing war, ihre Zahl auf 400 zu reduzieren und ihre Meditationshütten zu zerstören, um sicherzustellen, daß die Vertreibung endgültig ist.

Nach Aussage von Beobachtungsdiensten waren Ende Oktober mehr als 1.000 Wohnungen in Serthar zerstört worden, Tausende von Mönchen und Nonnen waren erfolgreich vertrieben worden, und man nimmt an, dass der Leiter der Akademie Khenpo Jigme Phuntsok in Chengdu, der Hauptstadt von Sichuan, seitdem in Isolationshaft ist. Nachrichten über seinen Verbleib gibt es nicht.

Die hier veröffentlichte Fotostudie belegt die Zerstörungen der Chinesen und beweist wieder einmal, dass das verfassungsmäßige Recht auf freie Religionsausübung in China nicht das Papier wert ist, auf dem es gedruckt ist. Das Ausland schweigt wie immer zu den Vorgängen aus Angst vor chinesischen Wirtschaftsrepressalien. Offiziell wäre das [wie immer] eine Einmischung in innere Angelegenheiten.

Vorher:

serthar22-1.jpg

Nach der Zerstörung durch die Chinesen!

Serthar Institut - nach der Zerstörung durch die Chinesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Dalai Lama, Gedanken zum Tag, Menschen, Uncategorized

Wie man erfolgreich Vokabeln lernt

Tests stärken das Langzeitgedächtnis besser als gezieltes Lernen

Vokabeln werden im Langzeitgedächtnis durch wiederholtes Abfragen besser gespeichert als durch Auswendiglernen. Das stellten die US-Forscher Jeffrey Karpicke und Henry Roediger bei einer Studie mit vierzig Studenten fest, die je vierzig Suaheli-englische Wortpaare lernen mussten. Die Fähigkeit zur Wiedergabe der Wörter war in einem späteren Test bei denjenigen Probanden am größten, die die Wörter einmal gelernt hatten und dann wiederholt abgefragt wurden. Mehrmaliges Lernen der Vokabelliste ohne Tests zeigte hingegen deutlich schlechtere Ergebnisse.

Karpicke und Roediger wollten in ihrer Untersuchung vor allem feststellen, ob das Gedächtnis Daten eher durch mehrmalige Einprägung oder durch wiederholten Abruf behält. Dazu teilten sie die Testpersonen nach dem ersten Lernen der vierzig Suaheliwörter in vier Gruppen auf: Die Mitglieder der ersten Gruppe lernten über den gesamten Zeitraum der Untersuchung die Wortliste und wurden auch regelmäßig abgefragt. Im zweiten Fall wurde ein einmal korrekt wiedergegebenes Wort von der zu lernenden Liste gestrichen, in den Tests aber immer noch abgefragt.

In der dritten Gruppe war das Gegenteil der Fall: Hier wurden alle richtig aufgesagten Vokabeln aus den Tests, nicht aber von der Liste gestrichen. Die vierte Gruppe sollte schließlich die normalen Schulbedingungen widerspiegeln, in denen einmal korrekt vorgetragene Wörter nicht weiter gelernt oder getestet werden. Nach dieser ersten Phase warteten die Forscher eine Woche und fragten dann in einem letzten Test die gesamte Liste nochmals ab.

Das Ergebnis erstaunte die Psychologen: Gruppen drei und vier, die über den Versuchzeitraum konstant gelernt hatten, erinnerten sich an durchschnittlich 33 bis 36 Prozent, wobei die Teilnehmer der „Schulbedingungsgruppe“ am schlechtesten abschnitten. Die Probanden, die wiederholt Tests abgelegt hatten, konnten dagegen meist 80 Prozent der Wörter oder mehr korrekt wiedergeben. Dabei schnitten diejenigen, die nur abgefragt wurden, ohne die Wörter nochmals zu lernen, ebenso gut ab wie die weiterhin Lernenden.

Karpicke und Roediger schließen daraus, dass der Test von Gelerntem bei weitem nicht nur ein Maß für erfolgreiches Lernen, sondern selbst die beste Lernmethode ist. Um einmal Gelerntes erfolgreich im Langzeitgedächtnis zu verankern, folgern die Psychologen, ist der mehrfache Abruf viel wichtiger als das Einprägen der Daten. Auf diese Weise könne das langfristige Erinnerungsvermögen um 150 Prozent gesteigert werden.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Blogroll, Menschen

Zhou Qing-Vortrag 7.12.2007 in Heidelberg-Lebensmittelsicherheit in China

Vortrag im DAI Heidelberg am 7. Dezember 2007 um 20 Uhr

Zhou Qing, Journalist und Redakteur aus Peking, hat seit mehren Jahren die Lage der Lebensmittelsicherheit in China untersucht und daraus die schockierenden Erkenntnisse für seine Reportage „What Kind of God?“ gewonnen. Dafür hat er 2006 den Reportagepreis „Lettre Ulysses Award“ bekommen.

Das Thema „Lebensmittel- und Produktsicherheit in China“ machte in den letzten Wochen auch in Deutschland Schlagzeilen. Immer wieder müssen giftige Kinderspielzeuge aus China zurückgerufen werden. Qings Reportage deckt eine Vielzahl von Problemen auf, von Verstößen gegen die Hygienevorschriften, die Verwendung verbotener Inhaltsstoffe bis zu gefälschten Lebensmitteln. Die chinesische Originalausgabe wurde sofort nach Erscheinen verboten.

Zhou Qing, geboren 1965 in Shanxi, wurde 1989 in die Ereignisse auf dem Tienanmen-Platz verwickelt, wurde daraufhin für fast 3 Jahre inhaftiert und ist heute Mitglied des unabhängigen chinesischen PEN-Clubs.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Blogroll, Gesundheit, Menschen, Veranstaltungen

Kai Diekmann und der Presserat

Bericht von der Süddeutschen Zeitung von Hans Leyendecker:

Wen interessiert schon eine Mahnung. Nachdem Bild vom Deutschen Presserat wegen Verletzung der Persönlichkeitsrechte von Khaled el Masri gerügt wurde, hetzt das Blatt demonstrativ weiter.

Ausriss sueddeutsche.de
„Irre! Presserat rügt ‚Bild‘ wegen dieses Brandstifters“: „Bild“ verteidigt die Berichterstattung über Khaled el Masri.
Ausriss: sueddeutsche.de

Der Deutsche Presserat beschäftigt sich mit unterschiedlichsten journalistischen Gräueln und nach Ziffer 16 seines Pressekodex entspricht es „fairer Berichterstattung … öffentlich ausgesprochene Rügen abzudrucken, insbesondere in den betroffenen Presseorganen“. Als der Geschäftsführer des Selbstkontroll-Gremiums der Printmedien, Lutz Tillmanns, an diesem Donnerstag in die Bild-Zeitung schaute war er „verblüfft, in welcher Form“ das Boulevardblatt eine Rüge ins Blatt gehoben hatte. Unter der Überschrift „Irre! Presserat rügt Bild wegen dieses Brandstifters“ berichtete das Blatt auf 110 Zeilen über eine Maßregelung der Presserats, die vor zweieinhalb Monaten ergangen war.

In der Ausgabe vom 19. Mai 2007 hatte die Zeitung unter der Schlag-Zeile „Warum lassen wir uns von so einem terrorisieren?“ über den Deutsch-Libanesen Khaled el Masri berichtet, der 2004 von der CIA nach Afghanistan verschleppt, monatelang festgehalten und vermutlich auch misshandelt worden ist. Die Zeitung bezeichnete den Schwaben als „Islamisten“, „durchgeknallten Schläger“, „Querulanten“, „Brandstifter“ und fragte, ob er ein Lügner sei.


Nach einem Brandanschlag auf einen Metro-Markt sitze der „irre Deutsch-Libanese“, der als „angebliches Folter-Opfer die Bundesregierung, Parlament und Öffentlichkeit terrorisiert“ habe, in einer Psychoklinik und warte auf „sein Gutachten, ob er schuldfähig ist – oder einfach nur irre“.

„Diese Entgleisung ist selbst für Bild-Standards beachtlich“, kommentierte daraufhin die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Aufgrund von zwei Beschwerden erkannte der Presserat in dem Bild– Bericht „eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts“, weil der offenkundig psychisch kranke Mann als irre bezeichnet worden sei. „Diese Art der Darstellung geht gerade im Hinblick auf diese Krankheit el-Masris eindeutig zu weit“. Jetzt erklärt Bild unter Bezug auf die Rüge: „Wir stehen zu unserer Darstellung.“ Bild kämpft: „Wir werden unsere Berichterstattung nicht weichspülen – so wenig wie bei Hasspredigern, Nazis oder sonstigem durchgeknallten Gesindel“.

Wahrigs Deutsches Wörterbuch übersetzt den Begriff „Gesindel“ mit „betrügerischen, verachtenswerten Menschen, Pack“ – „wie nur so viel verflucht Gesindel im engen Hause sich verkroch!“ schrieb Johann Wolfgang von Goethe in seinem Gedicht „Der Müllerin Verrat“.

Der Ton, den Bild anschlägt, ist keine Lyrik, aber dieser Fall ist auch Sache des Chefs, und der ist kein Poet. Chefredakteur Kai Diekmann verbreitet sich in seinem Buch „Der große Selbstbetrug“ über „Betroffenheitsagitatoren“, die im Fall des ehemaligen Guantanamo- Opfers Murat Kurnaz, die rotgrüne Politik kritisiert hätten und im Zusammenhang mit dem Fall el-Masri schreibt Diekmann, stellten sich „viele Fragen“.

Fraglich sei beispielsweise, „ob Misshandlung ein zulässiges Mittel der Befragung ist und wo die Grenzen liegen.“ El-Masri wird sich ab 10. Dezember wegen des Brandanschlags vor Gericht verantworten müssen und sein Anwalt Manfred R. Gnjdic kündigte am Donnerstag mit Blick auf den Bild-Artikel eine Strafanzeige wegen übler Nachrede und Beleidigung gegen die Verantwortlichen an. Diese sehr spezielle Berichterstattung über eine öffentliche Rüge könnte, theoretisch zumindest, ein neuer Fall für den Presserat sein.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Menschen, Wirtschaft

Das Internet verändert unser Menschen-verhalten

Dieser Text ist die leicht gekürzte Fassung der Dankesrede, die Frank Schirrmacher, Herausgeber des Feuilletons der FAZ, anlässlich seiner Auszeichnung mit dem Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache 2007 in Kassel hielt. Lesens- und besonders Nachdenkenswert!

Journalisten werden in amerikanischen Filmen gerne mit einem Stift hinter dem Ohr porträtiert, auch Lebensmittelhändler übrigens und Wettbürobesitzer. Kein besonders imposantes Werkzeug, also. Und doch hat es ausgereicht, von den ersten Ritzungen in Ton, die die Höhlenmenschen ausführten, bis zu Einsteins Relativitätstheorie, alles auszudrücken, was wir sind. Und es reichten Stift und Papier, um wie Joanne K. Rowling von der Sozialhilfempfängerin zur reichsten Frau Englands aufzusteigen.

Wer sich mit Fragen des Schreibens und Lesens befasst, redet auch von ABC-Schützen, die möglicherweise einmal die Welt aus den Angeln heben könnten. Das Problem ist nur: Es gibt kaum noch ABC-Schützen und das, was die Stifte einst leisteten, tun nun die Laptops. Beide Parameter zusammen beschreiben exakt, was wir die Krise der Medien nennen.

Jacob Ludwig Karl Grimm, geboren 1785, gestorben 1863; er steht am Beginn des großen Zeitalters der Erfindungen. Im Jahr seiner Geburt wird der mechanische Webstuhl erfunden, in seinem Todesjahr die Rollen-Rotationsmaschine für Zeitungen patentiert, und Henry Ford wird geboren. Mit Jacob Grimms Jahrhundert beginnt unwiderruflich die Epoche der Beschleunigungen. Es sind die Erfindungen, die Einst und Jetzt sortieren, eine Zeit vor der Elektrifizierung und eine Welt danach, eine Welt vor dem Automobil und eine Zeit danach.

Man muss das erwähnen, weil auch Grimm auf seiner Lebensbahn gemeinsam mit seinem Bruder eine eigene Erfindung macht: Er fand eine Luke in der Zeit, durch die man sich in die Welt des „Es war einmal“ befördern kann; durch die Märchen.

Eine andere Chronologie

Die Grimms geben so dem Leben bis heute eine andere Chronologie, gleichsam, als würde ein anderes Zifferblatt unter die Zeiger gelegt. Und in seiner Schrift „Über das Alter“ hält Jacob Grimm fest, wie subjektiv und veränderlich der Zeitbegriff immer war: „Unter unsern Vorfahren hergebracht war eine zusagende, progressive Berechnung des Menschenalters, wie sie ein Hausvater den ihm zunächst umgebenden Gegenständen entnehmen konnte. Ein Zaun währt drei Jahre, ein Hund erreicht drei Zaunes alter, ein Ross drei Hundes Alter, ein Mann drei Rosses Alter. . .“

Wir, fast alle noch Kinder des zwanzigsten Jahrhunderts, haben Geschichte abgelesen an den denen, die uns die Märchen vorlasen, Eltern und Großeltern. Sie waren Menschen, an deren Lebensanfang noch die Pferdekutsche und an deren Lebensende die Mondlandung stand, Kriege, Revolutionen und Inflationen gar nicht gerechnet. Weder unsere Eltern und Großeltern, noch die Älteren, mit denen ich sprach, vom hundertjährigen Hans-Georg Gadamer bis zum neunundneunzigjährigen Ernst Jünger, konnten wirklich erklären, wie sich das anfühlte, als die Gesellschaft in die technische Moderne katapultiert wurde. Sie behalfen sich mit dem Märchen-Ton: „Damals, als es noch keine Autos gab. . .“ Was war und sich nicht modernisieren konnte, stürzte über Nacht oder wurde in ein Museum verwandelt.

Anstehen vor Telefonzellen

Ich erkenne erst jetzt, dass sämtliche technische Revolutionen, denen ich ausgesetzt war, solche der Kommunikations- und Informationswelt waren. Versuchen Sie mal, die Frage Ihrer Kinder und Enkel zu beantworten: Wie sie denn war, die Welt als man sich vor Telefonzellen anstellen musste? Als es noch kein Fax, kein Internet oder Laptop gab. . . Eine Jugend mit nur zwei Fernsehsendern? Verabredungen, die man umständlich planen musste, weil es keine Möglichkeit gab, sich unterwegs zu verständigen? Zeitungen ohne Bilder auf der Titelseite?

Kann sich heute irgendein Journalist, Schreibender, ja Handelnder in diesem Land noch daran erinnern, wie er Informationen vor der Epoche der Suchmaschinen sammelte? Zum ersten Mal hat die Beschleunigung das Instrument des Berichtens und Erzählens, die Schrift und ihre Verbreiter, selbst betroffen. Erst 1994, das ist dreizehn Jahre her, tauchte zum ersten Mal das Wort „World Wide Web“ auf. Was wird in dreizehn Jahren sein? Manche glauben, der Prozess sei faktisch abgeschlossen und differenziere sich nur noch im Detail. Das halte ich für unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist, dass die technologische Revolution sich überhaupt jetzt in der Gesellschaft selbst bemerkbar macht. Nachdem die Werkzeuge verändert wurden, verändern sich die Menschen.

Immer mehr Nichtleser

Die erste Generation, die seit ihrer Geburt vom Internet geprägt wurde, macht jetzt Abitur. Gleichzeitig steigt der Anteil an jungen Menschen, die bekennen, gar nicht mehr zu lesen, dramatisch an. Und man wende nicht ein, dass der Mensch auf den Vorgang des Lesens nicht verzichten kann. Das Gegenteil ist der Fall. Neben vielem anderen ist das Netz auch ein Medium, das in steigendem Maße Nicht- oder Fastnichtmehrlesen ermöglicht, und wer das nicht glaubt, schaue sich die Verfilmung von Archiven bis zu Gebrauchsanweisungen auf Youtube an.

Die Welt, die gerade nachwächst, wird schon in jungen und vielleicht sogar jüngsten Jahren Bilder und Filme gesehen haben, von denen wir uns gar keine Vorstellung machen. Mag sein, dass die Warnung vor jugendgefährdendem Schriften und Filmen in der Vergangenheit oft prüde und unrealistisch war. Doch was Kinder und Jugendliche heute unkontrolliert sehen können, ist pornographischer und gewalttätiger Extremismus, wie ihm niemals zuvor eine Generation ausgesetzt war, und gegen den man sich, zumindest als Jugendlicher, nicht immunisieren kann.

Vollständige Abstumpfung

Florian Henckel von Donnersmarck hat dies unlängst an dem amerikanischen Erfolgsfilm „Superbad“ illustriert. Der Film, als Teenie-Komödie annonciert, zeigt die erste Internetgeneration, die in ihrer eigenen Sprache spricht und darin ihr Bild von Frauen respektive Männern ausdrückt. Diese Sprache ist beängstigend roh, sie kommt aus den Bildern und handelt von den Praktiken, die diese Protagonisten in irgendwelchen Nischen des Internets gesehen haben. Bilder, die jeder, der sie einmal gesehen hat, nie wieder vergessen kann, es sei denn um den Preis vollständiger Abstumpfung.

Wir riskieren, die wenigen Kinder, die unsere Gesellschaft in Zeiten des demographischen Wandels hat, auf Dauer mit seelischem Extremismus zu programmieren, wenn wir nicht bald eine Debatte über pornographische und kriminelle Inhalte im Internet beginnen. Und wenn Sie die Infektionsausbreitung verfolgen wollen, zählen Sie, wie viele Tote neuerdings auch in Nachrichtensendungen oder Illustrierten gezeigt werden.

Die schönste Herausforderung

Ich möchte nicht missverstanden werden. Dies ist kein Kulturpessimismus. Gerade diese Beispiele zeigen, warum wir gebraucht werden und was geschieht, wenn man die vermittelnden Instanzen der großen Zeitungen ignoriert. Es gibt keine schönere Herausforderung für uns als diese: Nicht nur das Internet zu erobern, sondern auch gegenzuhalten und Optionen anzubieten.

Eine Option ist die Tageszeitung selbst, die von manchen allzu voreilig totgesagt wird – und zwar gerade von jenen mit Vorliebe, die von der Ausbeutung fremder redaktioneller Inhalte leben. Die Umlaufgeschwindigkeit von echten und halbseidenen Nachrichten im Internet ist enorm, und auf den ersten Blick kann man sie nicht voneinander unterscheiden. Sie tauchen ebenso schnell auf, wie sie verschwinden.

Die Zeitung liefert eine Haltbarkeit von mindestens 24 Stunden, und in ihren Kommentaren, Rezensionen und Kritiken will sie sogar vor der Nachwelt bestehen. Im Vergleich zum Internet ist sie ein retardierendes, also verzögerndes Moment in der gesellschaftlichen Kommunikation, und gerade deshalb wird sie immer unverzichtbar sein.

Gelehrte und X-Men

In Deutschland nennen wir das, was wir tun, „Qualitätsjournalismus“, und gemeint ist ein Journalismus der großen Zeitungen, der nicht nur auf Verlässlichkeit setzt, sondern auch einer redaktionellen Ausstattung bedarf, die diese Verlässlichkeit sichert. Zeitungen sind Qualitätszeitungen, weil sie auch dort analysieren, wo vorläufig kein „Markt“ im herkömmlichen Sinn existiert, in der Latenz, in den politischen, wirtschaftlichen und kulturen Tiefenschichten des eigenen Landes und der globalen Gemeinschaft.

Oft gleichen die Redaktionen dieser Zeitungen Gelehrten-Republiken mit X-Men-Einschlag. Wer glaubt, dass sich, wie in Amerika gesehen, Redaktionen von Zeitungen einzig nach Rendite rechnen sollten – womöglich einer, durch die ein Kaufpreis kompensiert werden soll – wird erleben, dass die Zeitung ihr Denken, ihre Kreativität und ihre Marktstellung verliert. Das kann – und das sei jenen gesagt, die in ihre Kalkulation schon den Qualitätsabbau einplanen – sehr schnell gehen.

Verzagte Chefetagen

Ich wundere mich manchmal über die Verzagtheit in manchen Chefetagen. Die großen, anerkannten Zeitungen haben, was alle anderen wollen: Autorität. Und wenn sie beherzt das Internet als Ergänzung begreifen, gewinnen sie die Zukunft, die die Pessimisten ihnen ausreden wollen.

Glücklicherweise sind wir in der F.A.Z. nicht in dieser Lage. Wir sind, wie alle anderen, durch schwierige Zeiten gegangen, die man fälschlich „Zeitungskrise“ nennt, die aber in Wahrheit eine Anzeigenkrise war. Am Ende ist es gelungen, aus der Krise sogar mit zwei Zeitungen hervorzugehen, der F.A.Z. und ihrer Sonntagszeitung. Ich sage das nicht, um uns zu rühmen und schon gar nicht, um die objektiven Probleme kleinzureden; ich sage es, weil die Zeitung lebt, im Print und im Internet.

Das Jahrzehnt des Qualitätsjournalismus

Jeder, der Augen hat zu sehen, wird erkennen, dass das nächste Jahrzehnt das Jahrzehnt des Qualitätsjournalismus sein wird; er schafft die Bindungskräfte einer medial disparaten Gesellschaft. Schon heute merken wir – und ich glaube, ich spreche damit auch für Kollegen aus anderen Häusern – dass die Durchschlagskraft, die der einzelne Artikel entfaltet, trotz Medienkonkurrenz ungleich größer ist als noch in den achtziger und neunziger Jahren. Das hat damit zu tun, dass in einem kommunikativen Chaos die verlässlichen Stimmen besser durchdringen.

Die, die sich nicht anstecken lassen, die ihre Qualität, also: ihre Inhalte unverändert lassen, werden sein, was diese Gesellschaft dringender benötigt denn je: der geometrische Ort, an dem die Summe des Tages und der Zeit gezogen wird.

Wir fühlen uns gewappnet. Und dennoch gibt es in Deutschland, anders als in allen anderen Staaten Europas, eine Asymmetrie, die nicht nur uns, die allen Zeitungen zu denken gibt. Je stärker der öffentlich-rechtliche Rundfunk ins Internet ausgreift, desto bedrohter werden die Zeitungen. Die öffentlich-rechtlichen Systeme haben begonnen, im Internet zu veröffentlichen; und das mit einem Etat im Rücken, der dem Staatshaushalt eines baltischen Landes entspricht. Sie verfassen Rezensionen im Internet, Kommentare und Tagebücher. Noch ist es nicht soweit. Doch wenn diese gebührenfinanzierten Angebote weiter ausgebaut werden, sind die Zeitungen, die sich durch den Markt finanzieren, wirklich bedroht.

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Gedanken zum Tag, Menschen