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Forscher, die jeder versteht – Klaus Tschira Preisverleihung in Heidelberg

Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft 2007 belohnt klare Darstellung von Forschungsergebnissen – Fünf Naturwissenschaftler überzeugen mit Artikeln über ihre Doktorarbeiten

Für viele ist Wissenschaft eine schwer verdauliche Kost. Dabei mangelt es keinesfalls an öffentlichem Interesse. Vielmehr werden interessierte Laien häufig von einer Fülle von Fachausdrücken und langatmigen Erläuterungen abgeschreckt. Fünf junge Nachwuchswissenschaftler haben jetzt gezeigt, dass es auch anders geht. Die frischgebackenen Doktoren  haben die  Forschungsergebnisse ihrer Doktorarbeiten in spannende und allgemein verständliche Artikel zusammengefasst. Hierfür werden sie am 11. Oktober um 16 Uhr in der Alten Aula der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg mit dem Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft ausgezeichnet. Der Preis ist mit je 5 000 Euro dotiert. Die preisgekrönten Artikel sind in einer Sonderbeilage des Novemberheftes von „bild der wissenschaft veröffentlicht.

Die Resonanz auf die zweite bundesweite Ausschreibung durch die Klaus Tschira Stiftung war in diesem Jahr äußerst erfreulich. Die Teilnehmerzahl lag um 70 Prozent über der von 2006. 132 junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die in Deutschland, Finnland, Großbritannien und den Niederlanden promovierten, bewarben sich um den begehrten Preis. Er war ausgeschrieben für die Fächer Biologie, Chemie, Informatik, Mathematik, Neurowissenschaften und Physik. Eine unabhängige Jury aus kompetenten Experten der einzelnen Fachgebiete, sowie Wissenschaftsjournalisten und Kommunikationsexperten bewerteten sowohl die wissenschaftliche als auch die sprachliche Brillanz der Artikel. In diesem Jahr haben sich die Naturwissenschaftlerinnen mit drei von fünf Preisträgern als besonders kommunikationsstark erwiesen. Im Fach Informatik wird 2007 kein Preis vergeben. Einsendeschluss für die kommende Wettbewerbsrunde ist der 29. Februar 2008.  

Die Gewinner des Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft 2007 sind:

Biologie:

Dr. Cristina Voss (Doktorarbeit an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg)

In ihrem Wettbewerbsbeitrag „Riproximin: Schamanenpulver oder Krebsmedikament?“ beschreibt Cristina Voss spannend und anschaulich ihre Forschungsarbeit. Sie zeichnet den Weg von der Entdeckung der krebshemmenden Wirkung eines afrikanischen Pulvers bis zur wissenschaftlichen Auswertung der Forschungsergebnisse nach. Die Beschreibungen des Forschungsweges sind spannend und so geschrieben, dass der Leser der Wissenschaftlerin über die Schulter zu schauen meint. Er erlebt mit, wie Krebsforscher eine unkonventionelle Behandlungsmethode ernst nehmen und mit modernen wissenschaftlichen Methoden untersuchen.

Chemie:

Dr. Jacqueline Burré (Doktorarbeit an Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main)

„Die Nadel im nervösen Heuhaufen“ lautet der Titel ihres mit dem Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft 2007 im Fach Chemie prämierten Textes. Jacqueline Burré beschreibt anschaulich und prägnant ihre komplexe Forschungsarbeit. Bildhaft führt sie den Leser in die geheimnisvolle Welt der Nervenzellen und Botenstoffe ein und macht Fachbegriffe Laien verständlich. Dabei versteht sie es, dem Leser die praktische Bedeutung der Forschung in kurzen, prägnanten Sätzen begreiflich zumachen.

Mathematik:

Dr. Sebastian Sager (Doktorarbeit an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg)

„Von diskreten Mathematikern und Wanderungen im Gebirge“ lautet der Titel des prämierten Textbeitrages von Sebastian Sager. Er beschreibt anschaulich anhand von Alltagsbeispielen die allgemeine Relevanz seiner Forschung, die sich mit der Optimierung von Abläufen beschäftigt. In diesem Zusammenhang stellt er grundlegende Arbeiten verständlich dar und beschreibt, wie nicht nur ein einziges, sondern eine ganze Klasse von Problemen gelöst werden kann.

Neurowissenschaften:

Dr. Miriam Spering (Doktorarbeit an der Justus-Liebig-Universität Gießen)

In ihrem Wettbewerbsbeitrag „Wenn das Gehirn am Steuer sitzt“ erklärt die Preisträgerin einen raffinierten Selbstschutzmechanismus des Gehirns. Sie schildert anschaulich, wie das Gehirn mit visuellen Störeinflüssen zurechtkommt. Dabei verwendet Miriam Spering alltägliche Beispiele und verzichtet auf Fachausdrücke. 

Physik:

Dr. Dirk Notz (Doktorarbeit an der Universität Cambridge, Großbritannien)

In seinem prämierten Textbeitrag „Das Ende der Eis-Zeit?“ stellt Dirk Notz hochinteressante Ergebnisse zur Dynamik des Klimawandels journalistisch spannend dar. Theorie und Praxis werden leicht verständlich und packend vermittelt, so dass auch dem Laien die Bedeutung der Forschung bewusst wird.

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„Alternative Nobelpreise“ 2007- Die Preisträger

Die mit insgesamt 2 Millionen Schwedischen Kronen (ca. 220.000 Euro) dotierten Right Livelihood Awards, auch bekannt als “Alternative Nobelpreise”, gehen in diesem Jahr an vier Preisträger, die greifbare Lösungen zu drängenden globalen Problemen aufzeigen:

Christopher Weeramantry (Sri Lanka), ein weltweit geachteter Jurist, ist am besten bekannt für seine Stellungnahme als Richter am Internationalen Gerichtshof, in der er begründete, warum die Anwendung oder Drohung mit Nuklearwaffen immer gegen das Völkerrecht verstößt. Die Jury würdigt “seine lebenslange bahnbrechende Arbeit für die Stärkung und Ausweitung des Völkerrechts.”

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Dekha Ibrahim Abdi (Kenia) hat sich erfolgreich für Frieden und Konfliktlösung an vielen Krisenherden der Welt eingesetzt. Die Jury zeichnet sie aus, “weil sie in unterschiedlichen ethnischen und kulturellen Situationen gezeigt hat, wie religiöse und andere Differenzen sogar nach gewalttätigen Konflikten versöhnt werden können und wie in einem kooperativen Prozess Frieden und Entwicklung erreicht werden kann.”

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Percy and Louise Schmeiser (Kanada) haben die Welt auf die Gefahren für die Landwirtschaft und die Artenvielfalt aufmerksam gemacht, die von der zunehmenden Marktdominanz und dem aggressiven Marketing von Firmen ausgeht, die Saatgut gentechnisch manipulieren. Die Jury würdigt die Schmeisers “für ihren Mut bei der Verteidigung der Artenvielfalt und der Rechte der Bauern, and dafür, dass sie die derzeitige ökologisch und moralisch perverse Auslegung des Patentrechts in Frage stellen.”

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Die Firma Grameen Shakti (Bangladesch) hat gezeigt, wie durch schnelle und massive Verbreitung von Solartechnik eine kostengünstige und klimafreundliche Energieversorgung für die arme dörfliche Bevölkerung realisiert werden kann. Die Jury zeichnet Grameen Shakti aus, “weil sie in Tausenden bangladeschischen Dörfern eine nachhaltige Beleuchtung und Energieversorgung möglich gemacht haben, die die Gesundheit, Bildung und Produktivität fördert.”

Zitat Jakob von Uexküll: “Die diesjährigen Right Livelihood Awards weisen auf vorhandene Lösungen für die Probleme dieser Welt hin: Christopher Weeramantry und Dekha Ibrahim Abdi demonstrieren mit ihrer Arbeit, wie Krieg und Terror durch das Völkerrecht und durch aktive Konfliktlösung verhindert werden können. Die Schmeisers und Grameen Shakti zeigen uns, wie zwei unentbehrliche Bausteine unseres globalen Ökosystems, unsere landwirtschaftlichen Ressourcen und unser globales Klima, noch zu retten sind.“

Hintergrund:

Die Right Livelihood Award Stiftung ist eine gemeinnützige schwedische Stiftung, die bisher 123 Preisträger aus 56 Ländern ausgezeichnet hat. Die Preisverleihung findet im Schwedischen Parlament mit Unterstützung von Parlamentariern aus allen politischen Parteien statt.

Die Preise wurden 1980 von Jakob von Uexküll gegründet, um „jene zu ehren und zu unterstützen, die praktische und beispielhafte Antworten auf die dringendsten Herausforderungen unserer Zeit verwirklichen“. Seit dem wird der Preis von privaten Spendern unterhalten. Das Preisgeld beträgt insgesamt zwei Millionen Schwedische Kronen, umgerechnet etwa 220.000 Euro.

Die Right Livelihood Awards werden oft als „Alternative Nobelpreise“ beschrieben.

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Free Burma..this Friday wear red…

Free Burma

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Deutscher Umweltpreis 2007 an Beate Weber – Preisverleihung 28.10.2007 durch Bundespräsident Köhler

„Nachhaltigkeit in einer Kommune lässt sich nicht anordnen, sie muss vorgelebt werden“. Dank Beate Webers Engagements ist Heidelberg im Umwelt- und Klimaschutz führend unter den Großstädten in Deutschland. Ihr gelebtes Vorbild zeigt, dass Umweltschutz, Wirtschaft und weniger Bürokratie Hand in Hand gehen können.“ – Mit diesen Worten würdigte heute Dr. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), die ehemalige Heidelberger Oberbürgermeisterin Beate Weber (63). Sie wird aus der Hand von Bundespräsident Horst Köhler den höchstdotierten Umweltpreis Europas am 28. Oktober in Aachen in Empfang nehmen. Ihr Preisgeld: rund 166.000 Euro.

16 Jahre lang treibende Kraft in Heidelberg: seit 1990 kommunalen Umweltschutz systematisch aufgebaut

Ämtern und Behörden in Deutschland werde gerne unterstellt, dass sie besonders kompliziert und behäbig seien. Brickwedde: „Das Beispiel Heidelbergs zeigt: Es geht auch anders.“ Die treibende Kraft der Stadt sei 16 Jahre lang Beate Weber gewesen. Zuvor hatte sie sich elf Jahre in der europäischen Umweltpolitik als Europaabgeordnete und Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz engagiert. Heute setzt sie diese langjährigen Arbeiten im global zusammengesetzten Weltzukunftsrat fort. Seit sie 1990 Oberbürgermeisterin geworden sei, habe Heidelberg systematisch den Umwelt-, Klima- und Naturschutz sowie die Umweltbildung ausgebaut. Lange, bevor die Lokale Agenda 21 in aller Munde gewesen sei, habe Heidelberg Maßstäbe im kommunalen Umweltschutz gesetzt. Ihre Umweltschutzideen hätten Nachahmer in vielen Kommunen gefunden und dafür gesorgt, dass die Umwelt erheblich entlastet werde.

Bürger und Wirtschaft aktiv mit eingebunden in die Idee eines nachhaltigen Heidelbergs

Von Anfang an seien Bürger und Wirtschaft aktiv an der Vision eines nachhaltigen Heidelbergs beteiligt worden. So habe – „bereits 1991, als für viele Klimaschutz noch ein Fremdwort war“, so Brickwedde, – eine auf Kooperation angelegte Klimaschutzkampagne Bürger, Angestellte der Stadt und Planer motiviert, den Ausstoß von Klima schädlichem Kohlendioxid zu senken. Heidelberg habe ab 1994 in wenigen Jahren den Klimagasausstoß für städtische Liegenschaften von 39.000 Tonnen auf rund 25.400 Tonnen jährlich zurückgefahren – ein Rückgang von 35 Prozent. Zu verdanken sei dieser Erfolg einer Doppelstrategie aus umfangreicher Information und hohen technischen Standards. Bei der Planung von Sanierungen und Neubauten städtischer Gebäude werde von Anfang an streng auf effiziente Energienutzung geachtet.

Zukunftsorientierte Wirschaftspolitik ein Element des städtischen Ökologiekonzeptes

Die Ökonomie spiele eine große Rolle im Ökologiekonzept der Stadt. Seit 1997 verfolge der „Stadtentwicklungsplan Heidelberg 2010“ konkrete Maßnahmen für systematischen Umweltschutz, dessen elementarer Bestandteil eine zukunftsorientierte Wirtschaftspolitik sei. Beate Weber und ihre Mitstreiter hätten so bewiesen, dass Umweltschutz nicht im Gegensatz zu wirtschaftlichen und sozialen Interessen stehe. Das beginne im Kleinen, wenn etwa Malerbetriebe, Bäcker und Konditoren bei der Verbesserung von Umweltstandards unterstützt würden oder Unternehmen und Nachbargemeinden von der „Klimaschutz- und Energieberatungsagentur“ praxisnahe Tipps erhielten.

Über Heidelbergs Stadtgrenzen hinaus setzt sich Beate Weber für nachhaltige Entwicklung ein

Seit Beate Webers Amtsantritt sei die Kommune auch im Naturschutz besonders aktiv. Durch Biotopvernetzungen seien rund 35 Hektar neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen geschaffen worden – das entspricht der Größe von 48 Fußballfeldern. Außerdem regelt in Heidelberg ein Naturhaushaltsplan die Bewirtschaftung von Wasser, Wiese und Wald. Auch über die Stadtgrenzen hinaus habe sich Beate Weber beharrlich und weitsichtig für eine nachhaltige Entwicklung deutscher Städte eingesetzt, beispielsweise durch ihre Arbeit in den Gremien des Deutschen Städtetages.

 Herzlichen Glückwunsch an Beate Weber

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Umweltgifte und die Geburtenrate – Der verschwiegene Skandal über Umwelthormone

In der Arktis werden teilweise doppelt so viele Mädchen wie Jungs geboren. Schuld sind Chemikalien die wie Sexualhormone wirken.

Bereits im Frühjahr schlug das National Institute of Environmental Health Sciences der USA Alarm: In Japan und den Vereinigten Staaten, so hatten Statistiken gezeigt, gibt es 250 000 Jungen weniger als zu erwarten wären, gemessen am noch in den 70er-Jahren herrschenden Geschlechterverhältnis. Die Studienautoren fanden jedoch keine Erklärung für den Mädchenüberschuss.

Jetzt kamen Forscher des Arctic Monitoring and Assessment Programme (Amap) zu noch beunruhigenderen Daten. In vielen Siedlungen im hohen Norden, so berichten sie in einer noch unveröffentlichten Studie, werden doppelt so viele Mädchen wie Jungen geboren. Das Phänomen ist in fast allen arktischen Regionen zu beobachten, in Sibirien und Kanada ebenso wie in Grönland. In einem Dorf in der nördlichsten Region Grönlands, Avanersuaq, kamen in jüngerer Zeit in den Inuit-Familien sogar ausschließlich Mädchen zur Welt.

Weibliche Föten haben es leichter

Die Amap-Experten benennen auch die wahrscheinliche Ursache der dramatischen Geschlechterverschiebung. Im Blut schwangerer Frauen fanden sie hohe Konzentrationen von Chemikalien, die im Körper wie menschliche Sexualhormone wirken. Sie dringen vermutlich in die Plazenta ein und beeinflussen in den ersten drei Schwangerschaftswochen die Hormone von Mutter und Kind so, dass bevorzugt weibliche Föten heranreifen. „Wir wussten, dass sich diese Stoffe in der Nahrungskette anreichern und dass ihre Konzentration in Seehunden, Walen und insbesondere Eisbären millionenfach höher ist als im Plankton. Dadurch werden auch die Menschen beeinträchtigt, die das Fleisch der großen Tiere essen. Doch dass die Chemikalien das Geschlecht von Kindern vor der Geburt ändern können, hat uns geschockt“, sagte Amap-Generalsekretär Lars-Otto Reierson gegenüber der britischen Zeitung „Guardian“. Betroffen sind vor allem die Einwohner von Nord- und Ostgrönland, die sich noch traditionell von gejagten Tieren und Fisch ernähren.

Zugleich entdeckten die Amap-Wissenschaftler, dass in sibirischen Inuit-Siedlungen viele Frauen Frühgeburten hatten und die Jungen dort viel kleiner sind als die Mädchen. Verantwortlich, so Reierson, seien Substanzen wie das Pestizid DDT, in Kondensatoren verwendetes PCB, bromhaltige Flammschutzmittel aus Computern und Fernsehgeräten sowie ähnliche Stoffe, die als Umwelthormone wirken. Sie könnten die Entwicklung männlicher Föten blockieren oder die Spermien schädigen, die das männliche Geschlechtschromosom enthalten. Die Schadstoffe stammen aus den Industrieländern und werden mit Luftmassen, die aus tropischen Gebieten in den kalten Norden fließen, in die Arktis verfrachtet.

Die von den Umwelthormonen ausgehenden Risiken beleuchten auch neue, in England und den USA durchgeführte Studien. Sie zeigen, dass Stoffe, die wie das weibliche Hormon Östrogen wirken oder männliche Sexualhormone blockieren, für sich genommen harmlos sein können. Im Zusammenwirken mit ähnlichen Substanzen entfalten sie jedoch schädliche Effekte, selbst, wenn die Menge jedes einzelnen Stoffs unter der Wirkungsschwelle liegt.

Auf die Spur solcher Chemiecocktails kam der Ökotoxikologe Prof. Andreas Kortenkamp von der University of London bereits 2002. Ihm und einigen Kollegen war aufgefallen, dass die Zahl hormonell bedingter Krankheiten wie Hodenkrebs, Hypospadie, bei der die Harnröhre auf der falschen Seite des Penis verläuft, und Cryptorchidismus (bei diesem Leiden senken sich die Hoden nicht in den Hodensack ab) bei Männern sowie Brustkrebs und polyzystische Eierstöcke bei Frauen stark zunahm. Bei Männern fielen überdies die Spermienzahlen rapide. Bei Betroffenen fanden die britischen Forscher jedoch nur geringe Mengen bekannter Umwelthormone. Deshalb fragte sich Kortencamp, ob es nicht synergistische Wirkungen solcher Substanzen geben könne. In Experimenten, bei denen er acht Chemikalien mischte, die in Plastik, Sonnenmilch und ähnlichen Alltagsprodukten enthalten sind, gelang ihm der Nachweis: Einzeln bewirkten die Stoffe in den bei den Patienten gemessenen Konzentrationen nichts, doch in der Summe erwiesen sie sich als verweiblichend, da sie wie das Hormon Östrogen wirkten.

Substanzen blockieren Rezeptoren

In einer jüngst veröffentlichten neuen Studie wies Kortenkamps Arbeitsgruppe nun nach, dass ein Cocktail aus Anti-Androgenen – sie hemmen die Aktivität männlicher Sexualhormone – in ähnlicher Weise wirkt. Die Forscher setzten trächtige Ratten zwei Pestiziden und dem Medikament Procymidon aus, das gegen Prostatakrebs eingesetzt wird. Das Gemisch unterband die Entwicklung männlicher Föten. Vermutlich blockieren die Substanzen die Rezeptoren für männliche Hormone wie Testosteron, sodass die natürlichen Androgene nicht an Zellen andocken können. Medikamente wie Procymidon werden von Patienten mit dem Urin ausgeschieden. Da sie in Kläranlagen oft nur unzureichend abgebaut werden, gelangen sie ins Grundwasser und kommen mit dem Trinkwasser in die Bevölkerung zurück.

In den USA unternahm Kortenkamps Kollege Earl Gray vom National Institute of Environmental Health Sciences ein ähnliches Experiment mit Phtalaten – jenen Stoffen, die in großen Mengen insbesondere als Weichmacher in Plastik vorkommen. Zwei Stoffe aus dieser Gruppe gemeinsam stoppten abermals die Entwicklung männlicher Rattenföten, indem sie die Produktion von Testosteron in den Tieren unterbanden. In einer weiteren Versuchsreihe zeigte Gray, dass ein Gemisch aus sechs Phtalaten und Procymidon bei männlichen Nagern Missbildungen auslöst, obwohl jeder einzelne Stoff unter der Wirkschwelle lag. „Offenbar haben wir die vom Androgen-Rezeptor in den Zellen ausgelöste Signalkette auf verschiedenen Wegen unterbrochen“, urteilt Gray.

Diese neuen Erkenntnisse sind für Regulierungsbehörden äußerst problematisch. Normalerweise ermitteln sie Grenzwerte für jede Substanz einzeln. Doch es ist kaum möglich, festzulegen, welche Mengen eines Chemikaliencocktails etwa in Lebensmitteln enthalten sein dürfen. Dazu gib es einfach zu viele unterschiedliche Stoffe, die in die Umwelt freigesetzt werden. Bei den meisten davon ist auch ihr hormonnachahmendes Potenzial nicht bekannt. Deshalb wollen einige Experten künftig nicht mehr einzelne Substanzen in Gewebsproben von Patienten messen, sondern deren „xenoöstrogene Belastung“ bestimmen (Xenoöstrogene sind fremde Stoffe, die wie körpereigenes Östrogen wirken).

Einer von ihnen ist der Onkologe Nicolas Olea von der Universität Granada. Er entwickelte ein Verfahren, die Belastung mit Fremdöstrogenen zu messen. Dazu gibt er Gewebsproben von Patienten in Kulturen mit östrogenempfindlichen Zellen. Der Grad ihrer Veränderung zeigt, wie stark der Betroffene mit Umwelthormonen belastet ist. Der spanische Krebsarzt will herausfinden, ob Menschen, die solchen Mixturen ausgesetzt sind, häufiger an Brustkrebs oder deformierten Genitalien leiden. Tatsächlich entdeckte Olea einen solchen Zusammenhang.

Mehr Geld für die Erforschung von Umwelthormonen

Die Reproduktionsmedizinerin Shanna Swan von der University of Rochester in New York beobachtete anhand eines ähnlichen Verfahrens, dass Jungen, die im Mutterleib erhöhten Dosen von fünf bestimmten Phtalaten ausgesetzt waren, einen verkürzten Damm hatten. Der Abstand zwischen Anus und Geschlechtsorganen gilt als Maß für die Aktivität hormonähnlicher Stoffe im Körper, die zur Verweiblichung führen. Swans Probanden wiesen auch höhere Raten von Hodenhochstand auf.

Derartige Tests sind jedoch teuer. Deshalb wollen sich US-Behörden damit begnügen, in Blut- und Urinproben von kleinen Bevölkerungsgruppen die Konzentrationen einzelner bekannter Umwelthormone zu messen und daraus auf das allgemeine Erkrankungsrisiko zu schließen. Das US-Center for Disease Control kündigte an, demnächst eine Liste von 275 solcher Substanzen vorzulegen. In Europa setzen EU-Experten auf die Richtlinien des REACH-Programms, das die Mengen von in die Umwelt freigesetzten Chemikalien begrenzen soll. „Dies könnte jedoch ein falsches Sicherheitsgefühl vermitteln“, warnt der britische Forscher Kortenkamp. „Die Behörden erkennen erst langsam die kumulativen Effekte an.“ Immerhin will die EU künftig mehr Geld für die Evaluierung der Gesundheitsrisiken von Mixturen aus Umwelthormonen ausgeben.

Für die Inuit in der Arktis könnten solche Maßnahmen zu spät kommen. „Dies ist eine kritische Frage für das Überleben der Menschen hier, doch nur wenige Regierungen wollen über das Problem der Umwelthormone reden“, klagt Aqqaluk Lynge, ehemaliger Vorsitzender der „Inuit Circumpolar Conference“. „Denn dann müssten sie ihren Gebrauch von Chemikalien überdenken.“

 Artikel: Focus Redakteur Michael Odenwald

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Buch: Der UN-Weltklimareport

Kompakt und übersichtlich: Das Wichtigste aus dem IPCC-Report über den Klimawandel und seine Folgen.

Der Klimawandel verändert die Welt schon jetzt. Das weist der neue UN-Weltklimareport nach. 2.500 Experten aus 130 Nationen haben in 6 Jahren Forschung die Fakten und Folgen des Klimawandels zusammengetragen und benennen die politischen und ökonomischen Konsequenzen. Hier werden sie erstmals in deutscher Sprache dokumentiert und erläutert. Der vom Menschen verursachte Klimawandel treibt das Fieber in die Höhe. Unsere Erde leidet an einem globalen Virus der Maßlosigkeit, der zum Tode führen kann. Tatsächlich haben wir ein gefährliches Experiment mit der Zerbrechlichkeit der Erde begonnen, bei der auf eine Warmzeit eine zweite Warmzeit draufgesattelt wird.

Seit dem aktuellen Report des zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC), der von der Weltmeteorologie Organisation (WMO) und vom Umweltbüro der Vereinten Nationen (UNEP) eingesetzt wurde, kann nicht mehr bestritten werden, dass der Klimawandel Realität ist. Dieses Buch dokumentiert und erläutert die drei Berichte des IPCC von 2007 über die wissenschaftlichen Grundlagen, die sektoralen und regionalen Folgen und die politischen und ökonomischen Konsequenzen. Außerdem veröffentlicht er Stellungnahmen deutscher Klimaforscher, die an diesen Arbeiten beteiligt waren.

Der Klimareport dokumentiert in Auszügen den ersten großen Bericht der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages »Schutz der Erdatmosphäre« von 1990, der wegweisend war für die nationale wie internationale Debatte. Schließlich zeigt es auf, dass der Klimawandel ein neues Denken erfordert: Die große Leitidee der Nachhaltigkeit weist den Weg in die Zukunft. Mit alten Antworten ist dieses Ziel nicht zu erreichen, auch nicht mit dem Festhalten an der Atomenergie. Die ökologische Modernisierung in Wirtschaft und Gesellschaft geht weit über den Einsatz neuer Technologien hinaus. Ökologie heißt, den Faktor Zeit in die Ökonomie einzufügen. Nur dann kann eine Klimakatastrophe verhindert werden.

Über die Autoren:

Michael Müller, geb. 1948, Dipl.-Betriebswirt, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium (BMU); Sprecher der SPD in der Enquete-Kommission »Schutz der Erdatmosphäre« von 1987 bis 1993; Bundesvorsitzender der NaturFreunde Deutschlands.
Ursula Fuentes, geb. 1967, Dipl.-Physikerin, Dr.; Referentin für Klimaforschung im BMU; National Focus Point bei den Regierungsverhandlungen des IPCC 2007.
Harald Kohl, geb. 1963, Dipl.-Physiker, Dr.; Referent im BMU; National Focus Point bei den Regierungsverhandlungen des IPCC 2001.

440 Seiten – 12,95 Euro – Info bei amazon

Hier sind noch einige interessante Links zum Klima:

Offizielle Website des IPCC, englisch

Deutsche IPCC-Koordinierungsstelle

Das Bundesumweltministerium zum Klimaschutz

Klimaseiten des Umweltbundesamtes

Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Max-Planck-Institut für Meteorologie

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